Europäisches Kulturgut Pferd

Empfang und Ausstellung in Brüssel, November 2010

Am 10. November drehte sich in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel alles um Pferde. „Europäisches Kulturgut Pferd - Das kulturelle Erbe der Europäischen Staatsgestüte. Ressourcen erhalten - Traditionen weiter entwickeln“ lautete das Thema des Empfangs mit Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung, zu dem rund 170 Gäste aus Politik und dem Pferdesektor kamen.

In seiner Eröffnungsrede betonte Rudolf Köberle, Baden-Württembergs Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, den Stellenwert der staatlichen Gestüte für die Entwicklung des ländlichen Raums und gratulierte den Ausstellungsmachern für die gelungene Präsentation naturnaher Lebensräume mitten in der EU-Metropole.

Dr. Astrid von Velsen-Zerweck, Landoberstallmeisterin in Baden-Württemberg, erläuterte in einem anschaulichen Vortrag die historische, aktuelle und zukünftige Bedeutung des Haupt- und Landgestüts Marbach als Ort der der Tradition, Innovation und Kompetenz. Sie stellte auch das Netzwerk der europäischen Staatsgestüte (ESSA) vor, deren Geschäftsstelle in Marbach angesiedelt ist. 23 der führenden Staatsgestüte aus 13 europäischen Ländern haben sich zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die sich für den Erhalt des kulturellen Erbes der staatlichen Gestüte in Europa einsetzt. Die angeschlossenen Gestüte arbeiten in den Bereichen Pferdezucht, Ausbildung, Forschung, Marketing und Tourismus zusammen. Der Austausch von genetischem Material erleichtert die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Pferderassen. „Um ihren vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden, müssen die staatlichen Gestüte ihre Unabhängigkeit bewahren, die in der Privatwirtschaft nicht immer möglich ist“ sagte von Velsen-Zerweck.

Dr. Ing. William Martin-Rosset, Vorsitzender Pferdewissenschaften der INRA, wies in seinem Vortrag „Forschung und Wissenstransfer zum Thema Pferd in Europa“ auf die Bedeutung der Staatsgestüte als Partner der Forschung hin und äußerte den Wunsch nach neuen Forschungsprojekten auf europäischer Ebene.

Jan Tönjes, stellvertretender Chefredakteur des in Deutschland führenden Pferdemagazins „St. Georg", führte gekonnt durch das Programm und entlockte in seiner Funktion als Moderator den Teilnehmern der Podiumsdiskussion interessante Aussagen.

So berichtete Dr. Alf-Eckbert Füssel, der sich in der Abteilung DG SANCO der Europäischen Kommission mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zur Tierhaltung und Tierzucht in Europa beschäftigt, er habe einst im sächsischen Landgestüt Moritzburg Reiten gelernt. Auf die Frage, ob zukünftig ein einheitliches „EU-Pferd" gezüchtet werden soll, antwortete er entschieden "Nein, das Gegenteil ist der Fall. Unser Ziel ist der Erhalt der biologischen Vielfalt. Von grenzüberschreitender Zucht und einem Abbau der bürokratischen Hürden zwischen den einzelnen Ländern profitieren insbesondere die gefährdeten Rassen“.

Die aus Baden-Württemberg stammende Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle lud die Anwesenden ein, das Haupt- und Landgestüt auf der Schwäbischen Alb zu besuchen: „Gehen Sie nach Marbach, dort kann man viel lernen, gerade wenn man aus Brüssel kommt. Im Gestüt wird aus dem Gestern heute für die Zukunft gearbeitet“.

Bernard Maurel, Europadelegierter der französischen Gestütsverwaltung und Vorsitzender der ESSA, provozierte im Hinblick auf mangelnde finanzielle Unterstützung mit der Frage, ob das Erbe der europäischen Staatsgestüte weniger wert sei, als beispielsweise Musik und Theater.

Katerina Xethali, die im Kulturprogramm der EU federführend für den Aktionsbereich „Kooperationsprojekte" zuständig ist, stellte daraufhin zukünftige Förderungen für das Netzwerk der europäischen Staatsgestüte in Aussicht: "Die Fischwirtschaft hat bereits Fördermittel aus dem Kulturprogramm erhalten, vielleicht sind die Pferde auch bald dabei“.

Der Abend klang gesellig aus, bei Spezialitäten aus den Küchen und Weinkellern Baden-Württembergs, die mit Blick auf die reich illustrierten Schautafeln und Exponate der Ausstellung genossen wurden.

Statuen besonders verdienter Hengste und wertvolle Leihgaben aus dem Marbacher Gestütsmuseum Klosterkirche Offenhausen, wurden bewundert und in den Schauwerkstätten war traditionelles Schmiede- und Sattlerhandwerk hautnah zu erleben. Ein Bereich der Ausstellung widmete sich der Pferdefütterung. Hier war auch die Futtertafel des Trakehner Hengstes „Julmond“ zu sehen, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen kommend, entscheidende Impulse in der Umzüchtung des Württembergischen Warmbluts vom Wirtschafts- zum Reitpferd setzte.

Interessierte hatten bis zum 25. November Gelegenheit, die Ausstellung in den Räumlichkeiten der Landesvertretung in der Rue Belliard 60 - 62 zu besuchen.

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Brüssel 2010
 
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